Wie von der Tarantel gestochen

In Italien kann man nicht nur lecker essen und trinken. Auch das Tanzen wissen Italiener sehr zu schätzen. Der italienische Tanz schlechthin ist die Tarantella. Seit jeher wird dem Tanz heilende Wirkung zugeschrieben.

Die Legendenbildung will es so, dass der Kult eigens zu dem Zweck erfunden wurde. Denn sein Ursprungsort, die süditalienische Stadt Taranta, beheimatete nicht nur ihn, sondern auch die über die Maßen gefürchtete Spinne Tarantula und gab damit gleich zwei berühmten Dingen von Weltrang ihren Namen: dem heute weit über Italien und Europa hinaus bekannten Volkstanz Tarantella und der Giftspinne Tarantel. Beides steht in engem Zusammenhang, denn der lebhafte Tanz zu aufmunternder und fröhlicher Musik sollte laut dem Gründungsmythos dazu dienen, nach einem Biss der Tarantel das Spinnengift schnell aus dem Körper zu tanzen.

Ob dies nicht eher die schnelle Verbreitung des Gifts im Blut und damit den sicheren Exitus beförderte anstatt der wirksamen Heilung zu dienen, sei nach den heutigen Erkenntnissen der Medizin und Toxikologie dahin gestellt. Jedenfalls entstand so ein wunderbarer Tanz, der wenn schon nicht die physische so doch die psychische Gesundheit stärkt, weil er von ungemeiner Kraft und Lebensfreude ist.